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26.07.2006

"Es wird ruhiger werden als heute"

Böblingen/Sindelfingen: Besserer Schallschutz ohne Deckel Spitzengespräch wegen des Lärms an der Autobahn 81 endet mit Kompromiss

Von Chefredakteur Hans-Jörg Zürn

Mehr Geld für einen besseren Lärmschutz, aber keinen Deckel das ist das Ergebnis des Spitzengesprächs zum Lärmschutz an der Autobahn81. "Ich halte das für einen guten Kompromiss, denn überall entlang der Strecke wird es auch bei sechs Fahrbahnen ruhiger werden als es heute ist", sagt Dr. Thorsten Breitfeld, Sprecher der Bürgerinitiative Leise A 81.

Abgeordnete, verkehrspolitische Sprecher, der Böblinger Oberbürgermeister Alexander Vogelgsang und sein Sindelfinger Kollege Dr. Bernd Vöhringer, Regierungspräsident Dr. Udo Andriof und Dr. Thorsten Breitfeld, Sprecher der Bürgerinitiative Leise A 81, trafen sich gestern zum Spitzengespräch. Keine Überdeckelung, aber über 17 Millionen Euro für Lärmschutz statt bisher 8,5 Millionen - das ist das Ergebnis.

Nach den neuen Planungen und Berechnungen werden an allen Häusern tagsüber die Grenzwerte für Schallschutz eingehalten. Nachts wird das bei 22 Gebäuden nicht möglich sein. "Ein Tunnel von 1,5 Kilometern Länge hätte aber nur für ein einziges Haus Verbesserungen gebracht, nämlich dem Ibis-Hotel am Goldberg", sagt Dr. Thorsten Breitfeld (Bild: Stampe/A). Dafür wären aber rund 70 Millionen Euro Mehrkosten nötig.

Um die Grenzwerte Tag und Nacht an allen Häusern einzuhalten, müsste ein Tunnel 3,5 Kilometer messen, was Mehrkosten von weit über 100 Millionen Euro nach sich ziehen würde. Derzeit sind für den gesamten Ausbau samt Lärmschutz 85 Millionen Euro veranschlagt. "Wirtschaftlich wäre so ein teurer Lärmschutz wirklich nicht zu vertreten", so Dr. Breitfeld, der mit seiner Familie im Böblinger Wohngebiet Unteres Lauch lebt.

Im Stuttgarter Innenministerium kam zudem klar zur Sprache, dass keine Zusagen von Politikern für einen Deckel dokumentiert wurden, als die Trassenführung einst zwischen die Städte Sindelfingen und Böblingen statt über Gärtringen direkt nach Leonberg gelegt wurde. Gesprächsaufzeichnungen oder Protokolle eines derartigen Versprechens liegen nicht vor.

Doppelt so viel Geld für Lärmschutz

Doch mit leeren Händen stehen die lärmgeplagten Anwohner nicht da. Der Etat für Lärmschutz wird von rund 8,5 auf über 17 Millionen Euro erhöht. Mit diesem Geld soll Flüsterasphalt auf der gesamten Länge zwischen der Anschlussstelle Sindelfingen-Ost und der Eisenbahnbrücke bei Böblingen/Sindelfingen verlegt werden. "Das bringt beispielsweise den Hochhäusern an der Viehweide durchaus etwas", so Dr. Breitfeld.

Geplant sind jetzt auch drei Meter höhere Lärmschutzwände. Die sollen aber nicht mehr wie ursprünglich geplant auf der Böschung sondern deutlich näher an der Fahrbahn stehen. "Das erhöht einerseits die Wirksamkeit und verringert andererseits die optisch trennende Wirkung", sagt der Sprecher der Bürgerinitiative.

Unter dem Strich sieht Dr. Breitfeld auch ohne Deckel wesentliche Verbesserungen: "Mit ganz wenigen Ausnahmen wird es an allen Häusern auch bei sechs Fahrbahnen ruhiger werden, als es jetzt bei vier Spuren ist." Dafür habe sich der Einsatz der letzten Monate durchaus gelohnt. "Gerade nach unserer Demonstration und den vielen Einwendungen haben die Planer noch einmal deutlich nachgebessert", so der Ingenieur, der bei DaimlerChrysler arbeitet.

"Wir müssen um die Mittel kämpfen"

Die zusätzlichen Millionen für einen besseren Lärmschutz werden jetzt in die Planung für den Autobahnausbau einbezogen. Dann muss das Bundesverkehrsministerium zustimmen. Gebaut wird aber noch lange nicht. "Wir müssen erst noch um die Mittel kämpfen", sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete Clemens Binninger, der sich schon vor gut einem Jahr bei einem Ortstermin mit der Bürgerinitiative informierte und gestern selbst auch zur Gesprächsrunde gehörte: "Es soll niemand glauben, dass mit einer Planfeststellung auch schon der Termin feststeht, an dem die Bagger anrücken. Hier stehen wir in einem harten Konkurrenzkampf mit anderen Projekten."

Dass beim Lärmschutz überhaupt nachgebessert wird, sieht Clemens Binninger als besonderen Erfolg von Dr. Thorsten Breitfeld und seinen Mitstreitern: "Sie haben das Thema nachhaltig bei den Politikern verankert und durch ihre beharrliche aber stets sachliche Arbeit sehr viel bewegt."

Weitere Informationen gibt es unter www.leisea81.de im Internet.


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